RSP-Karneval Mai ’16

Zum diesmonatigen Karneval möchte ich meinen ersten Karnevalsbeitrag verfassen mit zwei Gedanken. Erstens, einem Schlaglicht zur Begrifflichkeit Wissenschaft und ihrer Verbindung zum Rollenspiel. Zweitens, ein paar inneraventurischen Spielereien, nichts Neues, zugegeben, aber obligatorisch doch von Nöten!

Der Trend, aus allem eine Wissenschaft zu machen oder Die Diktatur der Zahlen

Heutzutage macht man ja gern aus allem eine Art Wissenschaft. Objektivität, Effizienz, schneller, härter, Scooter! Alles, was sich nicht mathematisch-analytisch betrachten lässt, muss wenigstens in hinreichender Quantität erhoben werden, um eine Statistik machen zu können (das Gesetz der großen Zahlen greift doch schon bei 3, oder?).

Und, wie steht es? Ist es sinnvoll, aus dem lieben Hobby Rollenspiel eine Wissenschaft zu machen? Dazu vielleicht zwei Versionen von Wissenschaft.

  1. Die Zahlen-Wissenschaft
  2. Die Erkenntnis-Wissenschaft

A priori

Etwas polemisch, klar, beschäftigt sich die Zahlen-W. mit einer mathematischen Modellierung der Problemstellung (des Sachverhaltes) und bemüht sich um eine möglichst analytische Lösung (also a priori). Emotionen werden hier hintan gestellt, nüchtern als psychologische Faktoren betrachtet, verstatistifiziert (also zu Statisten oder Statistiken berufen?) und sehr preußisch der Geist über den Körper gestellt. Sapere aude! Cogito ergo sum! In der Physik bspw. geht die Theorie seit A. Einstein der Praxis voran, theoretische Vorhersagen werden Jahre später durch Experimente bestätigt (oder widerlegt), die Praxis läuft hinter der Theorie her.

A posteriori

Die Erkenntnis-W. ist viel älter, vor-aufklärerisch, empirischer, gezwungen emotionaler, da ihr der kühle Abstand fehlt (also a posteriori). Wissen wird hier nicht aus vorherigen Überlegungen gewonnen, sondern aus Erfahrungen kondensiert. Um beim physikalischen Beispiel zu bleiben vlt. das vielzitierte Beispiel der Schiffsmasten, die vor dem Schiffsrumpf am Horizont auftauchen – auf einer flachen Erde wäre das nicht der Fall, vielleicht ist sie also rund?

A lude

Und was heißt das jetzt für den Spieltisch? Alle betonen ja immer wieder, dass jede Rollenspielrunde einzigartig sei, dass die Probleme/Voraussetzungen individuell sehr verschieden seien, dass die Spielleitung (SL ) das Abenteuer auf die konkrete Gruppe maßschneidern müsse. Lässt sich da Wissenschaft überhaupt betreiben? Klar. Die allermeisten Gruppen funktionieren nach dem Prinzip, dass SL und die Spieler mit ihren Charakteren (SC) getrennte Rollen sind. Dass die SL die Weltbeschreibung und den Plot zum Großteil präsentiert (und aufbereitet). Dass die Helden sich über AP weiterentwickeln und leistungsabhängig (also davon, was sie erleben) ebensolche erhalten. Dass man zusammen in soziale Interaktion tritt. Und schon sind wir bei der Soziologie mit ihren Kommunikationstheorien. Insgesamt eine sehr verkopfte Herangehensweise.

Auch gibt es klassisches Handwerkszeug für die SL. Seien es IT-Hilfen in Form von (Dungeon-)Plan-Baukästen, Zufallstabellen für Begegnungen, NSC, Reiche, Religionen, etc. (dazu später mehr) oder Techniken der Geschichtenerzählung, Rhetorik, Psychologie (z.B. der gezielte Einsatz von Musik, eine bestimmte Stimmung zu unterstützen). Häufig also ein eher empirische Herangehensweise (sowohl Rhetorik, als auch Psychologie, ebenso wie Mythen sind aus der Praxis entstandenes kondensiertes Wissen).

Assassin’s Aventuria

leonardo_polyhedra

 

Grangor, Horasreich, Aventurien, Dere – die Stadt der hundert Kanäle ist zugleich Geburtsort des wohl innovativsten Erfinders, den Aventurien in seiner Geschichte bisher gesehen hat:

leonardo_von_havena
Leonardo von Havena

Leonardo von Havena, benannt nach der Stadt seiner längsten und wohl populärsten Wirkung. Angelehnt an sein irdisches Vorbild Leonardo da Vinci hat auch er eine schier unüberschaubare Fülle an technischen Spieler- und Phantastereien erdacht – mehr noch als geschaffen. Darum möchte ich euch an dieser Stelle einen exklusiven Einblick in einige kürzlich ans Licht gekommene Manuskripte, gefunden in einem alten Gemäuer in der Muhrsape, vom unerschrockenen Abenteurer und bon vivant Caldario di Mattazzena.

Beginnen möchte ich mit einem Zitat des wohlverehrten Dottore und Meistermechanikus:

Für die Ehrgeizigen, die sich weder mit dem Geschenk des Lebens noch mit der Schönheit der Welt zufriedengeben, liegt eine Strafe darin, dass sie sich selbst dieses Leben verbittern und die Vorteile und die Schönheit der Welt nicht besitzen.

– Leonardo

Das Aeronaut

luftschiffEine Weiterentwicklung des Adlers, welche die selbe Flügelkonstruktion verwendet. Jedoch hat, einen Lastentransport zu ermöglichen, Leonardo einen großen Ballon an der Oberseite ergänzt. Dieser soll aus zwiegenähtem Leder bestehen. Die schiere Menge, die benötigt würde, hat den großen Mechanikus leider davon abgehalten, diese formidable Idee in die Tat umzusetzen.800px-ailes_battantes_luc_viatourDieser Ballon soll, ähnlich einem Schiff auf See, levitas gewähren.

Ausgestattet mit einem Korb für Insassen und andere Lasten soll das Aeronaut dank der Flügel beliebige Richtungen einschlagen können, gleich einem Vogel. Avesgedankt!

 

Die Panzerschildkröte

Concept01Die Panzer-Schildkroete gleicht einer fahrenden Hütte. Man kann es sich vorstellen, scheint es mir, wie der Panzer einer Schildkröte, offensichtlich inspiriert von Erzählungen aus Maraskan (und den dortigen Hartholz-Harnischen aus ebendiesem Material) und der Südsee (von den K’trak’tak-Schildkröten). In ihrem Inneren haben mehrere Männer (und Frauen natürlich auch) Platz. Allerdings, das muss ich ehrlich zugeben an dieser Stelle, hat sich mir der weiterführende Sinn dieses Vehikels nicht erschlossen. Weder eine Fortbewegung noch eine sonstige Interaktion mit der Umwelt scheint mir aus der Kröte heraus möglich. Es handelt sich hierbei um eines der unsinnigeren Erfindungen, trotzdem soll es an dieser Stelle nicht unterschlagen werden, wurden doch so große Entbehrungen auf dem Weg, an die Manuskripte zu gelangen, in Kauf genommen!

Das Automobile

Ähnlich den horasischen Torsionswaffen wird für diesen Karren eine große Torsionsfeder gespannt, welche beim Entspannen über eine Welle Kraft auf die Räder überträgt. Bisher nur in kleiner Ausführung gebaut, leer auf ebener Strecke so schnell wie ein voll beladener Ochsenkarren auf einem Feldweg. Von einem größeren Modell scheint der Mechanikus sich jedoch deutlich mehr versprochen zu haben.

Die Schuppenplatte

Drachenhelm_2Neben dem Rahjaweiser ist die Schuppenplatte das einzige Artefakt, welches wir als bergen konnten. Ich habe mich für den Namen Schuppenplatte entschieden, da diese Rüstung gefertigt aus Stahl-Schuppen in ihrer Gestaltung einem der furchterregenden Achaz-Krieger der Legenden ähnelt. Ihr liegt auch ein sehr drachisch anmutender Helm bei

Der Rahjaweiser

Dieses zweite geborgene Artefakt ähnelt ganz einer Puderdose. In ihrem Inneren ist eine Nadel, frei drehbar gelagert. Diese weist stets gen Rahja. Allerdings wird sie von starken Alkoholkonzentrationen irritiert.

Die Flammenhand

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Bärlauchsporen werden dank Luftstsrom über glimmender Wolle aus einem Sack geblasen. Der Anwender scheint einen Feuerstrahl zu werfen. Neben der Beschreibung im Manuskript lag dieser auch eine Zeichnung bei.

Die Bona Alrica

Überdies fand ich unter den mehr oder minder gut erhaltenen Aufzeichnungen, die, nebenbei bemerkt, nur aufgrund fachkundiger restauratio im präsentierten Lichte erstrahlen können, ein ganz besonderes Kleinod. Da jede eigene Beschreibung der Wohlgestalt keine Form zu geben vermag, möchte ich an die bereinigt transliterierten commentatirii des genialen Mechanikus höchstselbst zur huldvollen Beachtung verweisen:

Jeder (und jede), der dieses Bild schaut, mag etwas von seinem Glanze erhalten und fortan schöner durch sein Leben gehen.

-Leonardo, wohl um 1001 BF

Edit: Ich habe auch den Blog-Post wiedergefunden, der mich ursprünglich hierzu angeregt hat. Das war nur etwas länger her, sodass ich die genaue Quelle (bei Meisterperson) leider nicht mehr erinnerte.

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