Gestoßen auf den diesmonatigen Karneval zum Thema Romantik&Liebe bei d6ideas, der unartikuliert großen Anstoß nimmt an der Frage nach Homosexualität im Rollenspiel. Dass Gender eine noch immer sehr fruchtbare Grundlage für Diskussionen und hitzige Gefechte (auf sehr emotionalem Level) ist, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Lustigerweise kam mir vor wenigen Tagen eine Eingebung, die dieses Thema ebenfalls tangiert…

Naja, lieber grau – mit vielen verschiedenen Schattierungen!

In der Gruppe, die die Invasion Tobriens durch Borbarads schwarze Horden durchlebt, versuche ich, eine persönliche Betroffenheit zu erzeugen. Diese hängt direkt mit der Liebe zu dem Ort zusammen, an dem man aufgewachsen ist und bis vor kurzem noch gelebt hat, sowie zu den Lieben, die auf der Flucht verschollen gehen oder vor den eigenen Augen sterben. Diese heikle, im intensivsten Fall wohl fast traumatische Situation hat erstmal wenig Heldenhaftes. Nun kann der Held aber aus dieser Situation einen Weg hinaus finden – und darin zu einem Helden erwachsen. Diese Entwicklung nachzuverfolgen macht für mich einen der größten Reize an DSA aus, das diese wie ich finde eher begünstigt als RPG mit überlebensgroßen Helden wie D&D (#Vorurteil). Die Spielerin der adligen Junkerstochter, die Haus und vermutlich Vater verloren, ihren Bruder hat sterben sehen, möchte ihre Heldin in Richtung des Tsa-Glaubens ausrichten. Da ich mich damit noch nicht eingehender beschäftigt und dies in kommenden Beiträgen noch vor habe, an dieser Stelle nur ein erster Eindruck dazu – jedoch sehr passend.

Die Helden werden mittelfristig einem leichtlebigen Tsa-Geweihten begegnen. Dieser bietet einen sehr einfachen (und u.U. eher auf Verdrängung beruhenden) Ausweg aus der emotionalen Bedrücktheit an. Natürlich wird  er die Gruppe versuchen, das Weltgeschehen einfach Weltgeschehen sein zu lassen und ihr persönliches Heil in anderen, nicht von diesen schrecklichen Ereignissen betroffenen Regionen zu suchen. Des Weiteren kam mir die Idee (aufgemerkt nun!), dass dieser Geweihte seine sexuelle Orientierung thematisiert. Und zwar ist er an dem Thorwaler der Gruppe interessiert. Hierbei geht es mir nicht um die Simulation sexueller Praktiken, sondern vielmehr darum, eine Diskussion, ein Nachdenken über die ganz selbstverständlich aktzeptierten und antizipierten Normen des Alltäglichen anzustoßen. Paare bestehen aus Mann und Frau. In den meisten Fällen stimmt das. Interessant sind die Situationen, in denen diese unsere Erwartung nicht erfüllt wird (übrigens Kernkompetenz des Witzes).

Vielleicht noch ein Versuch

Die Erfahrungen und Überlegungen (ob explizit oder implizit angenommen) am Spieltisch hängen untrennbar mit den OT-Hintergründen der Beteiligten zusammen. Das ist einer der Gründe, weshalb ich darauf Wert lege, keine eingeschlechtlichen Gruppen zu bespielen (oder solche WGs zu bewohnen). Die Stimmung nur unter Männern (als solchgeschlechtlicher kann ich wenig über die Situation nur unter Frauen sagen), die Wort- und Themenwahl ist meiner Erfahrung nach anders. Und zwar so, dass ich gemischte Gruppen vorziehe. Das ist mein persönlicher Geschmack und damit wohl mein gutes Recht, reproduziert es auch die mehrheitlich vertretene Meinung einer pluralen und offenen Gesellschaft. Die Kategorien Frauen und Männer sind mit Sicherheit die, auf die wir alle im Alltag am meisten stoßen. Die Mehrheit, kurz gesagt. Es mag sein, dass Abweichungen davon umso mehr auffallen, als da sie unseren Erwartungen zuwiderlaufen. Und auf einmal ist es Mode, Lebensmittel glutenfrei zu halten. Auch Zuckerrübensirup. Ich möchte in keine gesammtgesellschaftlich-moralischen Diskurse fallen (auch wenn es dafür vlt. etwas spät ist), aber diese spielen dennoch eine Rolle am Spieltisch. Manche mehr, andere weniger. Spätestens jedoch, wenn ein solch heißes Thema angeschnitten wird, stehen alle Beteiligten (Spieler wie auch ich als SL) mit ihren Vorstellungen, Ansichten und Erwartungen Gewehr bei Fuß. Rollenspiel heißt zu einem Gutteil ja, die eigene Person vom gespielten Charakter zu trennen. Da gibt es einfachere Aspekte (IT-OT-Wissen über Alchimie, Schwertkampf, … DKWDDK oder halt auch nicht) und schwierigere. Letztere wohl nicht zuletzt, da sie nicht der bespielten sondern unserer Welt inhärent sind. (Post)Moderne Ansichten über Geschlechter (in diesem Beispiel) spielten im Mittelalter keine Rolle. Aventurien ist nun kein irdisches Mittelalter, wie die weitgehende Gleichberechtigung schon zeigt. Warum sollte ich dies also nicht auch als Bühne nehmen, aktuelle irdische Themen aufzugreifen und im Spiel zu bearbeiten?

Jetzt ist es doch wieder länger geworden.

Andere Arten der emotionalen Bewegtheit der Spieler, die Interesse am Spiel weckt, bereits hier (vorletztmonatiger Karneval zu Rassismus) und hier (Fluchtsituation in unserer SG-Gruppe) sowie wohl auch in meinen allgemeinen Überlegungen zum Spielleiten.

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4 Gedanken zu “DSA ist bunt.

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