Gareth. Mit blutiger Kleidung und starrem Blick stehen Baldur, Halim und Queecock auf dem Brig-Lo-Platz vor dem Gasthaus Zum Rollenden Taler. Hier haben sie bis eben gemeinsam mit Marbrit Telpers gespeist, seines Zeichens Händler, dem sie dabei halfen, eine Ladung Koschbasalt sicher von Ferdok hierher zu verbringen. Wann fing der Ärger an? War es während des Überfalls durch Flussräuber? Oder doch viel früher, in den Katakomben mit diesen goldenen Masken?

Was bisher geschah

Nach einem Tag oder vielmehr einer Woche der Jagd schien alles wohl geordnet. Graf Growin hat ihnen als Belohnung, dass sie den Schwarzmagier Holdwin Boronfeind unschädlich gemacht haben, ein Empfehlungsschreiben für das anstehende Kaiserturnier in Gareth Mitte Tsa ausgestellt (mit fulminantem Ende in der Vermählung Prinz Brins am 1. Phex). Eine handfestere, güldenere Belohnung fiel leider weg, da sie nicht Boronfeind an sich, sondern ihn in Bärengestalt erlegt haben. Leider hat er sich danach nur nicht wieder zurückverwandelt – immerhin gab er so eine schöne Firunsgabe ab. Dort nun, in Ferdok, wurden die drei von einem Händler, dem bereits erwähnten Marbrit Telpers, angeworben, ihn gegen klingende Münze und handgreifliche Hilfe nach Gareth zu eskortieren. Gesagt, getan, verlief die Reise zu Treidel-Schiff ruhig – bis zu jenem Tag. In einer uneinsichtigen Flussbiegung mit hoher Böschung zu beiden Seiten warteten die Räuber. Mit einer soolch argen Gegenwehr haben sie sicherlich nicht gerechnet, und nicht wenige von ihnen haben diesen Fehler mit ihrem Leben bezahlt. Und auch Baldur traf es schwer, ein Pfeil fand sein Ziel in seinem Kopf. Die folgende Woche verbrachten seine Gefährten um sein Leben bangend, bis sie endlich Hirschfurt erreichten. Hier beginnt unsere heutige Episode.

Der Marathon beginnt

In Hirschfurt und damit an der Reichsstraße Zwei angekommen, begaben Baldurs Gefährten sich unverzüglich auf die Suche nach einem kundigen Heiler. Ein undurchsichtig-finsterer Magier auf der Durchreise verpsrach Abhilfe. Seine Heilkünste haben dem fiebernden Baldur wohl das Leben gerettet – dass er sogleich wieder auf den Beinen war, gab jedoch allen Beteiligten eher zu denken. Erstaunlicherweise weniger, als die vergleichsweise geringe Gegenleistung, ein einfaches Dokument aus einem Turm im Sumpf zu bergen. Da besagter Turm überdies nahe Gareth gelegen sei, willigten sie nach anfänglicher Skepsis ein, dass er ihre Karawane begleite.

Die obligatorische Queste nach der heruntergekommendsten Kneipe des hiesigen Angebots später, brach man früh am nächsten Tage mit einem Zug aus acht Ochsenkarren und zwei Pferden auf, sich auf dem Weg nach Gareth von alles und jedem überholen zu lassen. Da die Handelsstraße zwar breit aber doch an vielen Stellen nicht breit genug für drei Karren nebeneinander ist, zog sich des tags eine stetig länger werdende Schlange an etwas schnelleren Karren hinter unserer Karawane hintendrein. Diese hat am nächsten Morgen dann den Aufbruch etwas verzögert, da sich ein jeder beflissentlich vor diese Langsamsten zu setzen trachtete, was die Reisedauer auf zwei Wochen streckte. Man könnte diese Etappe der Reise ereignislos nennen, wäre da nicht die Begebenheit, derentwegen die drei wackeren Recken blutverkrustet und in einem insgesamt eher desolaten Zustand sich derzeit auf dem Brig-Lo-Platz mitten im Schlossviertel in Alt-Gareth befinden. Diese denkwürdigen Stunden nahmen ihren Anfang eines schönen Morgens, des letzten Reisetages schon hinter Silkwiesen und beinahe in Sichtweite der Stadtmauern der alterwürdigen Kaiserstadt. Mitten auf der zu dieser Zeit eher ruhigen Straße, die Bauern des Umlandes und Reisende aus Silkwiesen sowie Reisende und Boten aus Gareth haben diese Stelle bereits passiert, und eigentlich befinden sich ad momentum lediglich die behäbig schwer-polternden Wagen unserer kleinen Reisegruppe. Diese überaus günstige Situation nutzend, springen Strauchdiebe aus den dafür passend plazierten Sträuchen. Nach einem kurzen aber heftigen Schlagabtausch ergreifen die zahlenmäßig doch nicht so Überlegenen die Flucht, indem sie zwei der Ihren zurücklassen (einen davon tot), im Austausch jedoch den Sohn des Händlers Telpers mitnehmen. In einem nahen Hain wartende Komplizen ermöglichen den Flüchtenden mit den bereit gehaltenen Pferden ein sicheres Entkommen vor den füßisch Verfolgenden. Einem glücklichen Umstande verschuldet, liegt einer der Halunken nur in seinem eigenen Sude, nicht jedoch fliegend auf Golgaris Schwingen verweilend, sodass der zu spät, um an dem Scharmützel zu partizipieren, vom Ende des Zuges herbeieilende Magier sich endlich einmal als nützlich erweisen kann. Dies vollbringt er gekonnt, indem er den darniederliegenden Alrik überredet, die drei Gerüsteten doch bitte zu ihrem Versteck zu führen, auf dass diese doch den Sohn des Händlers befreien könnten. Gern und mit einem Minimum an freiem Willen ausgestattete, dafür maximiert hörige Alrik führt die drei Helden in den Sumpf. Wie sich herausstellt, die Dämonenbrache. Prompt lässt sich der eigentlich dschungelerfahrene Queecock von einer Iribaarlilie bezirzen und wird von dieser gleichfalls beinahe ersäuft. In letzter Sekunde vermag es Baldur, da er kurzerhand die halbe Pflanze aus ihrem Moderloch herausreißt, den Ertrinkenden vor dem schon sicher geglaubten Erstickungstod zu erretten. Nach diesem lustvollen Intermezzo begeben die inzwischen im Dunklen Umhertappenden sich unter Alriks Führung näher zum Versteck der Banditen, das sich als halb versunkener Turm entpuppt. In einem ebensolchen sollten doch auch die Dokumente des Magiers zu finden sein? Zufälle gibts! Zuvor allerdings harrt ein einsamer Wachtposten eingehender Pflege. Der willhörige Alrik wird vorausgeschickt, diesen in den Wald zu locken, was jedoch nicht so recht gelingt. Kurzerhand beschließt Halim, die Wache niederzuschießen. Einzig vom Madamal beleuchtet, fehlt der Pfeil jedoch den tödlichen Punkt und der Wachtposten tut, wozu er ausgesandt – er gibt Alarm. Nicht lang danach finden sich unsere Drei und Einer also auf der Mitte der Lichtung zwischen den vier Monolithen wartend wieder, auf die Fünf, die dort vom Turm heran eilen. Vier werden von Halims Bogen zu Boden geschickt, einer entgeht dieser Behandlung und führt einen mächtigen Streich gegen den Schützen. So steht es vier zu eins, was das Am-Boden-Liegen betrifft. Baldur macht nun kurzen Prozess mit dem, der nun sein ganzes Glück in diesem einsamen Streich aufgebraucht zu haben scheint. Währenddessen besehen sich Queecock und Alrik die Szenerie unbeteiligt, bis Ersterer seine Gelegenheit für gekommen sieht. Mit seinem Dolch ersticht er zunächst den glücklosen mächtigen Streicher und fürderhin die anderen vier Niedergeschossenen. Der Schönheit nacheifernd suchen sie nun, unwissentlich zwar, den achten Toten für heute, indem Baldur Alrik ersucht, sich aus dem besinnlichen Griff des Magiers zu befreien. Diese übermenschliche Anstregung vermag der Aufgeforderte nicht zu vollbringen und geht an ihr zugrunde. Endlich hat Boron ein Nachsehen und entsendet seinen Boten, den Gepeinigten zu erlösen. Für dessen Schwingenschlagen haben die drei, denen langsam dämmert, was sie da gerade getan haben, jedoch kein Gehör.

Das Ziel ist in Sicht

Nun wissen wir, weshalb die drei derart verlottert ausschauen, sowohl aus Wäsche wie auch ihrer Augen Blicke. Den letzten Rest, das I-Tüpfelchen sozusagen, wird sicherlich besorgt haben, dass, nach einer verhältnismäßig unblutigen Szene im Turm und den darunterliegenden Gewölben, in denen nur Knochen zu mahlen waren (gut, mit einer Streitaxt, dennoch waren es nur Knochen, punctum) und dem abschließenden Fund der gewünschten Dokumente (ein Buch sowie ein Brief des großen und inzwischen vergessenen R.G.) einerseits ein simples Schütteln einer alchemistischen Tinktur dazu führte, den ganzen Turm zuerst in Flammen zu setzen und daraufhin zerbersten zu lassen, andererseits die Reaktion des Magiers auf die Erbringung ihrer Schuld (Ah, danke, eine alte Ausgabe des Codex Albyricus, wertlos. Der Brief? Seniles Gestammel eines Greisen.). Das soll der Sinn dieses Gemetzels gewesen sein? Nichts? Somit wäre das Geistesleben unserer Helden näher skizziert. Auf eine Fortführung und die Richtung, für die sie sich in dieser großen Stadt der tausend Wege entscheiden, darf man, zurecht!, gespannt sein.

Schlussbetrachtung

Mir hat diese halbtägige (12h) Sitzung jedenfalls ungemein Gefallen bereitet, wenngleich ich in der Vorbereitung wieder einmal von der dreifachen Menge ausgegangen war. Das Turnier haben sie jedenfalls noch nicht abgeschlossen – begonnen hat es auch noch nicht. Ups.

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