Das Schwarze Auge, In Alarichs Gnaden

[01] In Alarichs Gnaden – Via Wehrheim nach Berler

In losen Abständen und abhängig von der Frequenz, in der wir spielen, verfasst Alarich Leuenhardt von Löwenhaupt zu Dogulsbruch, seines Zeichens (Turnier-)Ritter und, aus eigener Sicht, einer der letzten verbliebenen Aufrechten in Darpatien der Wildermark, der vom Reichserzmarschall (a.d.) Leomar vom Berg persönlich den Auftrag bekommen hat, einen Traviazug sicher nach Wutzenwald zu geleiten, hier sein Tagebuch.

19. TSA 1031 BF

Bei Rondra!
Auf dem Weg nach Wehrheim, meinen lieben Onkel Hagwardt zu besuchen musste ich feststellen, dass diese einst stolze Stadt nunmehr in Trümmern liegt. Doch von vorn.
Die letzten Jahre zog ich durchs Nostrische, meiner Familie, dem Ritterstand und Rondra Ehre auf Turnieren zu erweisen. Der schreckliche Orkensturm war auch dort noch in bester schlechter Erinnerung und so nahm ich auch an der einen oder anderen Strafexpedition gegen die Schwarzpelze teil, wobei mir die Art des Kampfes gegen diese götterlästerlichen Kreaturen ganz und gar nicht gefiel. Man merkt, dass sie über keine hohe Kultur verfügen, sie greifen zu ähnlich tückischen Methoden wie ein Horasier.
Geschichten von einer Invasion Tobriens vernahm ich in dieser Zeit mit anfänglichem Bestürzen, wurde jedoch schnell durch den erlesenen Zirkel an vorzüglichen Recken des Reiches von einem baldigen Sieg überzeugt.
So begab es sich, dass ich nach Jahr und Tag ins Reich zurückkehrte, auf kürzestem Wege nach Darpatien, die große Reichsstraße aussparend, die nur einen Umweg über Gareth bedeutet hätte. Schon mein erster Eindruck, in der Retrospektive gesehen, ließ nichts Gutes heißen. Nach tagelangem mühsamen Weg durch den Wald treffe ich auf die Reichsstraße, die hier schnurgerade in einer Senke verläuft. Direkt unter mir ein Trek aus drei Wagen und vielleicht zwei Dutzend Leuten, dem ersten Eindruck nach Bauern. Einzig ein einzelner Ritter reitet ihnen voran. Da brechen aus dem gegenüberliegenden Wald ungezählte wilde Gestalten. Sie schwenken Waffen, schleudern Steine und einzig ihre Farbe verrät, dass es sich hier nicht um Orken handelt. Nicht, dass mir dies gewahr, nein, bevor Orken in Darpatien gesichtet werden, fällt uns der Himmel auf den Kopf! Nicht, dass ich später nicht noch hören sollte, was ich für unmöglich hielt. Doch ich greife voraus. Diesen Räubern, die den wehrlosen Zug bedrängen, will Einhalt geboten werden. Wie ich bereits angeritten meinen Schild am rechten Arm festzurre, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie der Ritter an der Spitze des Zugs von mehreren Gestalten bedrängt wird – wohlan!, hat er sich voll ins Getümmel gestürzt, so ist es recht. Die Bauern haben sich inziwschen mit Spießen bewaffnet und hinter die Wagen gelüchtet, wo sie sich in großen Trauben drängen. Einzig drei fallen hier aus dem Bild und zeigen, dass dieser Zug doch nicht vollends wehrlos ist. Eine Bogenschützin steht auf dem mittleren der Wagen und jagt mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision Pfeil um Pfeil gegen die Angreifer. Neben ihr steht ein kleiner Mann mit einem großen blauen Kopftuch und versteckt sich hinter einem großen hölzernen Schild, und ebenfalls an der Spitze des Zugs haut ein zottiger Mann, bloß in ein Kettenhemd gekleidet, mit einer großen Axt um sich. Inzwischen sind die Angreifer heran, ich lenke mein Pferd in neuer Zuversicht um diese Menschen in einem Bogen um das Ende des Zugs die Anhöhe hinan, um dort die Reihe aus Fernkämpfern zu sprengen. Denn obschon sie eindeutig gegen das Gesetz handeln, sind sie doch nur kläglich bewaffnet und stellen keine ernstzunehmenden Gegner dar, womit sie Umsicht verdient haben. Ich mache also nur von der flachen Seite des Schwertes und dem Schild Gebrauch, was diese armen Toren schnell in die Flucht schlägt. Als die übrigen Räuber dessen Gewahr werden, setzen sie zu kopfloser Flucht an und, oh Rondra!, der Sieg ist Dein. Nicht nur, dass er leicht errungen, auch der Blutzoll an Zivilisten war gering, das Scharmützel also eigentlich wenig erwähnenswert, wenn es nicht ein Angriff auf einen, wie sich herausstellen sollte, Pilgerzug auf einer Reichsstraße in Darpatien gewesen wäre. Es sind der Ungereimtheiten zu viele, sie einfach zu übergehen. Doch, oh reiches Darpatien!, Schatz des Reiches!, wie fern liegen Dir Not und Elend, wohlbehütet vor Unbill durch das starke Weiden im Norden und nah am Herzen des Reiches mit dem strahlenden Gareth direkt vor deiner Tür. Eingedenk dieser unerschütterlichen Ordnung blieben mir so die Ursache für den wilden Blick in den Augen der darpatischen Pilger dieses Zugs, den bitteren Zug um die Züge des Gänseritters von Binsböckel und die offenkundige Abwesenheit anderer Reisender auf dieser einst stolzen Reichsstraße verborgen. Erst nach der Begegnung mit Reichserzmarschall Leomar vom Berg, der nicht nur einer statthaften Garde sondern auch seines Titels wohl verlustig gegangen ist und, als er mich in einer Ruine von einem Haus aufsuchte, auf dem Sprung zur Orkenjagd war, erst nach einem anschließenden langen Gespräch mit dem kleinen blaubetuchten Mann, der sich als Ibramosch der Zwerg aus den Tulamidenlanden herausstellte, in dem er viele Legenden von Drachen und über das Wirken der Zwerge auf Dere berichtete, auf gezieltere Nachfragen jedoch auch von echter Geschichte erzählen konnte, und ich so herausfand, dass ein untoter Drache, Scherge Borbarads, der, hier traf es wieder die Erwartung, inzwischen von mutigen Rittern erschlagen ward, vor inzwischen Jahren Darpatien verheerte, Wehrheim schleifte und überdies der Scharlachkappenträger, verräterischer und verrückter Hofmagier des Kaisers, den Himmel über Gareth zum Einsturz brachte und so die Neue Residenz zerstörte. Doch der unheiligen Botschaften nicht genug! Reichsbehüter Brin fand den Tod und weder der sehr erfahrene Answin von Rabenmund, unter Brin einst in Ungnade gefallen doch von großer Kompetenz und ansonsten gutem Ruf, noch Selindian Hal, sondern seine vielmehr seine kleine Schwester Rohaja wurde zum neuen Oberhaupt des Reiches gekrönt. Dass der Kronrat einer solchen Maßnahme zugestimmt hat und Darpatien noch immer, Tag für Tag mehr, wie wir nach Nordosten reisen, zerstört am Boden liegt, Menschen hungern, Orken und Untote durch die Lande ziehen, all dies lässt nur den einen Schluss zu, dass auf das Reich momentan nicht zu zählen ist hier, in diesen desolaten Landen. Und so ist es an den wenigen verbliebenen aufrichtigen Rittern, den Menschen hier ein hell leuchtendes Feuer der Hoffnung zu sein, ohne Fehl und Tadel, stets wider die Götterfrevler und im Einsatz auch für die einfachen Menschen, ihnen zu helfen, wiederaufzubauen, was sie verloren und göttergefällig ist, sie zu schützen, wo ihre eigenen beschränkten Mittel versagen.

20. TSA 1031 BF

Gestern haben wir einen Posten der kaiserlichen Truppen passiert. Sie haben eine Art Sondersteuer an dieser improvisierten Wegstation erhoben, offensichtlich dieser zur eigenen Versorung bedürftig, dem Zustand ihrer Ausrüstung nach zu urteilen. Weshalb sie keinen Entsatz aus den übrigen Teilen des Reiches erhalten? Ich muss mich doch über die kaiserlichen Berater wundern, dass sie offenischtlich Ihrer Majestät nicht den Ernst der Lage hier dargelegt haben.
Des Weiteren hat mich diese Begegnung darin bestärkt, einen neuen Knappen auszubilden. In diesen Landen, in denen laut dem kaiserlichen Offizier Kriegsfürsten statt ordentlicher Barone die Verwaltung des Landes besorgen, ist jedes weitere Schwert, das zu Ehren Rondras geführt wird, ein Gewinn, der zu groß nicht geschätzt werden kann.

21. TSA 1031 BF

PRAIOS NOSTER

Oberster Vater im Himmel.
Lasse Dein Licht strahlen auf uns, dass unsere Herzen rein werden,
dass Deine Jünger obsiegen
gegen die, die in der Dunkelheit wandern.

Und führe uns nicht in Versuchung, denn zahllos sind die dämonischen Scharen.

Denn Dein ist das Recht, und das Licht, in Herrlichkeit, auf Alveran.

Auf unserem heutigen Ritt passierten uns einige abgerissene Gestalten, wohl ein Dutzend. Sie wirkten derart elend, dass einem das Herz im Leib zerspringen möchte. Bruder Travinor war so auch bemüht, diesen Armen zu helfen – doch haben wir, hat jeder Einzelne von uns in diesem Zug den ebenfalls bedürftigen und umso zahlreicheren Einwohnern von Butzbach gegenüber eine Verpflichtung, die wir nicht vergessen dürfen. Und so schwer es auch sein mag, diesen hungernden Menschen nicht mehr als ein Gnadenbrot geben zu können, so müssen wir an unsere größere Aufgabe denken. Dabei können wir auf die Milde anderer Reisender vertrauen, die diesen hier weiter helfen können als wir es vermögen.
Wenig später passierten wir Berler. Vor der Stadt hingen sieben Diebe, den an einem separaten Schild angeschlagenen Händen nach zu urteilen, den Gesetzlosen zur Mahn. Doch, bei PRAios!, die Gerichtsbarkeit ging zweifelhafterweise von der Dorfschulzin aus. Dabei wirkte die Stadt gut bewacht von gerüsteten, wenn auch nicht ausgewiesenen Knechten. Die Anmaßung dieser bürgerlichen Person und der Ihren muss jedoch für den Moment ungesühnt bleiben. Die erste und oberste Priorität besitzt dieser göttergeweihte Zug, den zu gefährden noch zu verzögern um jeden Preis vermieden werden muss. Doch, so mir PRAios helfe, um diese scheinbar allgegenwärtige Impertinenz wird sich zu einem späteren Zeitpunkt gekümmert werden.

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Das Schwarze Auge, Gedankenstrang

Satinav, gib mir meine Blogposts zurück!

Hat der Herr der Zeit mir einen Streich gespielt? Ich wollte ihn doch nur kurz auf seinem Schiff besuchen, dass bei uns vor Anker lag – und nun muss ich feststellen, dass mehr von dem kostbaren Nicht-Fluids verflossen ist, als ich je zu schätzen gewagt.

Sei’s drum! Nach einer längeren Abstinenz also gibt es mal wieder ein Lebenszeichen. Überdies schweben Pläne im Raum, durch Gastautoren etwas Lebenshauch herbeizubeschwören, aktuelle Themen (*hust*WdV*hust*) zu be-Hand-eln (ob die Watsche gefällt und Wachs (flüssig) gefordert wird, oder es nicht pläsiert, bleibt derzeitig Gegenstand der heißen Diskussion), meinem guten Alarich (ja, aus der reinen Meisterei habe ich mich in die Spielerrolle bewegt #Neuland) ein Tagebuch zu widmen, und mal wieder mehr Fluff zu positionieren.
Wie viel davon letztlich geschehen wird und in welchem Zeitrahmen, steht in den Sternen – und so es jemand genau weiß, wohl nur Satinav selbst.

Satinav sieht!