רעיה אלה האוהב – RAHja, die Göttin der Liebe

Rahja Cover small
Cover des 2012 bei Ulisses erschienenen Breviers

Und es war Rahja, von allen Göttern die schönste, die die Kreaturen lehrte, welche Lust, welcher Rausch zugleich sich aus dem Umstand gewinnen lässt, dass die Teile eines Paares einander gleich und doch so verschieden voneinander sind. Offenbarungen sagen uns, dass sich zwar viele Götter um das Wohl der Menschen kümmern, aber nur Rahja darum, was sie wirklich wollen.

—aus dem Brevier der Zwölfgöttlichen Unterweisung,
Kaiser-Hal-Ausgabe, 994 BF

So weit, so bekannt. Die leichtest bekleidete der aventurischen Zwölfgött*er wird auch mit Ausschweifungen, Rausch, Lust – und vielleicht auch Katern assoziiert. Doch die Sektion über die irdischen Äquivalente/Inspirationen für die Liebreizende Tänzerin im Wiki Aventurica enthüllt, finde ich, einen entscheidenden Punkt nicht: die Aussprache als ʁaːjaː und nicht ʁaːtʃaː

  1. Inneraventurisch
  2. Römisch/Griechisch
    1. Ein Blick ins Lateinische Wörterbuch
    2. Griechisches Pantheon
      1. Aphrodite
      2. Dionysos/Bacchus
      3. Der Bacchanalienskandal oder ‚Feiern, bis der Arzt kommt‘
      4. Sonstige Haupt-Götter im griechischen und römischen Pantheon
    3. Unterschiede zum römischen Pantheon
  3. Hebräisch und davor
    1. Das Lied der Lieder – שיר השירים
    2. Zweistromland
  4. Sex, Drugs & Rock’n’Roll

Im Wiki Aventurica, der Quelle für den avesfaulen Nanduriaten, wird insbesondere auf römisch/griechische Götter (Aphrodite, Dionysos, Bacchus), interessanterweise auch auf eine Gottheit des Zweistromlandes (Ištar) und überdies auf indische Kulte eingegangen als irdische Vorbilder und Inspirationen eingegangen. In Ermangelung weiteren Wissens werde ich letzteres hier aussparen und mich vorrangig um kulturelle und religiöse Hintergrunde aus dem Mittelmeerraum eingehen.

Inneraventurisch

vom Wesen der Göttin

Radscha Uschtammar – die Herrin der Ekstase

  • Herkunft des RAHja-Glaubens in den Dunklen Zeiten
    • tulamidisch: Radscha Uschtammar
    • ursprünglichere Form: Blut, Ekstase, Fruchtbarkeit
    • Rahja-Vademecum zum Wesen der Göttin (Radscha):

Radscha Uschtammar fuhr unter ihre Feinde und durchbohrte sie mir ihrem gewaltigen Speer. Das Blut färbte ihre Schleier rot, als es den bebenden Körper netzte, und sie drehte sich schneller und schneller, vollendede tanzend und voller Lust ihr Werk, bis ihr Bruder der Nachtherr zu ihr kam und sie umfing. Und sie fiel voller Ungestüm über ihn her, erregt von der Hitze des Kampfes, und sie vereinten sich. Wie im Rausch wälzten sie sich auf dem Schlachtfeld, dass die Knochen unter ihren Körpern zu Staub zermalmt wurden, und sein Samen sich in ihrem Schoß mit dem Atvaryas mischte, den die Rote Schwester noch aus der vergangenen Nacht in sich trug.

— Urtulamidische Inschrift auf einer Fasarer Tontafel, vermutlich um 1500 v. BF

(aus dem Rahja-Vademecum)

 

Rahja – die Liebholde

  • wohl von güldenländischen Siedlern – wobei eine Wandlung der gewalttätigeren tulamidischen Interpretation zur inneraventurisch gegenwärtigen zwölfgöttlichen über materiellen und kulturellen Wohlstand ebenfalls eine interessante Möglichkeit darstellt
  • Leidenschaft (im sexuellen Sinne), schöne Künste (neben bildender Kunst auch handgreiflichere wie insbesondere der Reiterei), ausgelassene Feste (symbolisiert durch den Wein)
  • der wohl ekstatischste Aspekt liegt in einer Strapazierung eines geschlossenen Travia-Bundes (wobei gehörnte Eheleute ja auch ein durchaus gängiges Konfliktthema in friedlichen Zeiten sind)

Fazit

Zwei Haupt-Aspekte (neuer, lieblicher und alt, archaisch, martialisch) scheiden sich an Landes- und Kulturgrenzen. Die Aussprache des Namens könnte somit je nach gemeintem Aspekt eben ʁaːjaː oder ʁaːtʃaː heißen.

Wenden wir uns also nun einer weltlichen Patenstellung zu nach diesem kurzen Einstieg.

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Römisch/Griechisch

  • Pantheon-Vergleich der Aufgaben RAHja-Römer-Hellenen

Ein Blick ins Lateinische Wörterbuch

Alles, was sich phonetisch in der Nähe sammelt – damit ist natürlich nichts über die Etymologie der lateinischen Begriffe gesagt! – und so dem Ohr vielleicht Pate gestanden haben könnte, und meinen Golgari-Augen nicht entgangen ist.

regia – Königspalast, Königsschloss, Palast des Königs

Raja ist ansonsten indoeuropäisch urverwandt mit lat. rex, also „König“.

—wiki Aventurica

raeda – Reisewagen, Kutsche

rea – Angeklagte/r, schuldig

So unterschiedlich die Bedeutungen hier sind, so wenig hilfreich ist offensichtlich eine rein phonetische Herangehensweise.

Griechisches Pantheon

Werfen wir nunmehr einen Blick ins griechische Pantheon (da die Römer eher mehr denn weniger bei den Griechen geklaut entlehnt haben).

Aphrodite
Von Sandro Botticelli - Adjusted levels from File:Sandro Botticelli - La nascita di Venere - Google Art Project.jpg, originally from Google Art Project. Compression Photoshop level 9., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22507491
Botticellis „Geburt einer Venus“

Aphrodite – oder lat. Venus – besticht in gängiger Darstellung und sofort assoziierter Aspekte Schönheit, Fruchtbarkeit, Sexualität und passt schon mal ganz gut zu RAHja. Dann lohnt sich vielleicht auch ein zweiter Blick.

      Mitglied im zwölfgöttlich-griechischen Kanon mit frühen Aspekten Wachstum und Entstehen, hingegen Liebe, Schönheit, sinnliche Begierde erst später hinzugetreten. Insofern ähnelt die frühe Aphrodite eher TSA.

Nach Hesiod ist sie die Tochter des Uranos. Dessen Sohn Kronos schnitt ihm, auf Rat seiner Mutter Gaia, die Geschlechtsteile mit einem Sichelhieb ab und „warf diese hinter sich“ ins Meer. Das Blut und der Samen vermischten sich mit dem Meer, welches ringsum aufschäumte und daraus Aphrodite gebar, die dann zunächst nach Kythera, dann an der Küste von Zypern an Land ging.

Hesiod: Theogonie 176 ff. nach wikipedia

  • Parallellen zum aventurischen Ur-Ereignis der Weltenschöpfung zwischen Los und Sumu sind unverkennbar – nur, ist nicht eigentlich Tairach als Erster aus Sumus Blut hervorgegangen? Nun gut, Blut ist immerhin auch ein Aspekt RAHjas, wohl nicht nur in seiner heißen, sinnlichen Form.

Viele Züge der semitischen Astarte (Aschera, griech. Aschtaroth) finden sich auch bei Aphrodite.

wikipedia schreibt Aschfaloth falsch, s. auch Ištar

  • In diesem Kontext heißt sie auch Areía, was ja schon deutlich dichter an RAHja, insbesondere wenn man den Kontext als bewaffnete Geliebte Ares‘ (Krieg, Blutbad, Massaker) und Herr über das Gewitter (warte, RONdra?) sieht und eher הרעיה (haːʁaːjaː) liest. Da sind wir zwar schon wieder im Hebräischen (הרעיה heißt soviel wie die Genossin), die Griechen haben allerdings gern fremde Worte phonetisch in ihr Alphabet übertragen, den Stamm jedoch unangetastet gelassen (vgl. z.B. neugr. Παλαιστίνη palaɪstiːnɛ zu hebr. פלסטינים palɛst ɪn ɪm ).

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ab/Griepenkerl%2C_Venus_Urania.jpg

In einem noch sehr himmlischen Gottesbild wurde Aphrodite Urania von den Assyrern verehrt, hier erfolgt ein Querverweis auf Ištar, dazu später mehr. Schließlich hört sich das nicht nur nach TSA an, sondern lebten auch die Assyrer im Zweistromland, aus welchem das Aventurien der Dunklen Zeit (direkt nach der echsischen Zeit) entlehnt ist.

In prähellenischer Zeit (also vor 300 v.Chr.) fasert der Begriff zu Aphrodite schließlich aus und verliert sich in Apsekten, die eindeutig in anderen aventurischen Gottheiten aufgenommen wurden. Dazu vielleicht in einem späteren Post mehr.

Dionysos / BacchusMarcantonio Raimondi (1480-1534), Due baccanti (Dioniso, ubriaco, si appoggia ad un satirello). Incisione.

Beide sind ein und die selbe Entität, Bacchus (Βάκχος) ist lediglich ein Rufname des Dionysos (Διόνυσος). Dyonisos ist der jüngste Gott im Pantheon und nicht Teil der eigentlichen Zwölf.

Διο – Gott, Zeus

νυσο – der lahm ist

Dionysos heiratet Aphrodite.

Aspekte sind Wein, Freude, Fruchtbarkeit, Ekstase, Wahnsinn – da verwundert sein Beiname, der übersetzt Rufer bedeutet, wenig.

 

Der Bacchanalienskandal oder Feiern, bis der Arzt kommt
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Rasende Bacchanten inmitten der Ruinen der Zivilisation, Ölgemälde von Alessandro Magnasco und Clemente Spera (ca. 1710)

Im Zusammenhang mit dem wegen des sogenannten Bacchanalienskandals 186 v. Chr. unterdrückten Kultes sind zunächst die Bezeichnung Baccha oder Baca für die Bacchanten, die Kultbegleiter des Gottes, und Bacchanal bzw. Bacanal für die Kultfeier belegt. Das weist darauf hin, dass mit den entsprechenden Begriffen zunächst eher ekstatische Formen des Kultes gemeint waren, im Gegensatz etwa zu den althergebrachten Kultfeiern des Liber.

wikipedia kennt Belkelel

  • Nächtliche Riten (Wein und sexuelle Freizügigkeit auf bacchischen Orgien (im Sinne von Kultfeier, wörtlich ‚Arbeit‘) in Rom erinnern in ihrer Ausprägung mehr an (selbst-)zerstörerisch belkelelgefälliges Treiben, die die Grenze von rahjatischer Erotik zu gewaltsamen Belkelel-Treiben überschreitet, um das mal in aventurischen Kategorien zu denken.

 

multa dolo, pleraque per uim audebantur. occulebat uim quod prae ululatibus tympanorumque et cymbalorum strepitu nulla uox quiritantium inter stupra et caedes exaudiri poterat.

—Livius, Ab urbe condita 39,8

Vieles unternahm hier die List, das meiste die Gewalt: und die Gewaltthat blieb unter der Hülle; weil man vor vielfachem Geheule, vor dem Getöse der Pauken und Schallbecken bei allen Schändungen und Mordthaten kein Hülferufen hören konnte.

Übersetzung in Projekt Gutenberg-DE

  • Der Prozess gegen diesen unliebsamen Kult enthüllt 7000 Beteiligte (nach Livius), die, falls schuldig an Verbrechen und nicht nur Mitglied des Kultes, hingerichtet wurden. Wie so häufig ist diese übertrieben hohe Zahl wohl der Dramaturgie geschuldet, möglicherweise auch der Vorliebe für Zahlenspiele in der Antike.
  • Es gibt einen entsprechenden Senatsbeschluss vom 7. Okt. 186 v. Chr. der Bachhanale verbietet, dem Kult die Vereinsrechte entzieht und offenbar so wichtig war, dass der Senat sich mit diesem eigentlich privaten Vergnügen befasste.
Sonstige Haupt-Götter im griechischen und römischen Pantheon

Es ist, als schriebe man PRAios erst hier und zum ersten Mal in einen Text, in dem es um Aventurische Zwölfgötter geht, doch findet Zeus tatsächlich erst hier eine honourable mention. So kanns gehen, Buddy Zeus.

buddy_praios
von der guten GaiasAngel. Lux Vult!
  1. Aphrodite (Venus)
    • Liebe, Schönheit, sinnliche Begierde
    • verheiratet mit Hephaistos, lange Liebschaft mit Ares, viele Stelldicheins mit anderen (Un-)Sterblichen
  2. Apollon (Apoll(on))
    • Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste (Musik, Dichtkunst, Gesangs), der Bogenschützen
  3. Ares (Mars)
    • schrecklicher Kries, Blutbad, Massaker
    • bei den Römern genoß er ein deutlich höheres Ansehen (Rondra vs. Tairach?)
  4. Artemis (Diana)
    • Jagd, des Waldes, des Mondes und die Hüterin der Frauen und Kinder
  5. Athene (Minerva)
    • Weisheit, der Strategie und des Kampfes, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit
  6. Demeter (Ceres)
    • Muttergöttin der Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und der Jahreszeiten
  7. Hephaistos (Vulcanus)
    • künstlerische Metallbearbeitung (Kunstschmiede)
  8. Hera (keine Entsprechung bei den Römern)
    • Überwachung Zeus‘
    • Mutter Ares‘ und Hephaistos‘
  9. Hermes (Mercurius)
    • der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst, der Gymnastik und somit auch der Palästra (körperliche) und der Magie (geistige Ertüchtigung)
    • Götterbote des Zeus
    • Überführer der Seelen in den Hades (die Unterwelt der Toten)
  10. Hestia (Vesta)
    • des Familien- und Staatsherdes, des Herd- und Opferfeuers
  11. Poseidon (Neptun)
    • des Meeres
  12. Zeus (IUPPITER)
    • oberster Gott, über ihm nur das Schicksal, die Moiren (Töchter von ihm)

Unterschiede zum römischen Pantheon

Bei den alten Griechen waren die Götter sehr personifiziert (die Gottesbilder also anthropomorph), die Götter wurden in sehr menschlichen Kategorien gedacht. Aussehen, Gefühle, Interaktion mit der direkten Lebenswelt (inneraventurisch: ein Herabsteigen aus Alveran in die Dritte Sphäre, Dere) waren für die Götter des griechischen Pantheons selbstverständlich.

Bei den Römern hingegen gibt es zwar aspektverwandte Gottheiten, jedoch ist das Beziehungsgeflecht zwischen diesen, also die Mythologie, weniger stark ausgeprägt. Dies ist insbesondere auf die gängige Praxis der Römer, andere Religionen und Kulte zu inkorporieren, in ihre eigene Tradition einzubinden, zurückzuführen – die so genannte Interpretatio Romana.

Hebräisch und davor

König ist auf hebräisch מלך (mɛːl ɛx), fällt also aus der phonetischen Argumentationslinie rex-König. Für das Hebräische spricht jedoch eine viel direktere phonetische Entsprechung:

רעיה (ʁaːjaː) ist alt-hebräisch und bedeutet Gefährtin, Freundin, Geliebte.

Das Lied der Lieder – שיר השירים

רעיה (hier übersetzt mit Freundin) kommt im Hohelied 1,15 (שיר השירים) (wird zum Pessach-Fest gelesen) sechsmal vor, in der gesamten (hebräischen) Bibel neunmal (yeah, Statistik). Im Folgenden die Textstellen im Original und in deutscher Übersetzung. Eine vollständige Auslegung, Kommentierung und Einbindung in den biblischen Kontext werde ich an dieser Stelle (und wahrscheinlich anderer auch) nicht vornehmen.

לְסֻסָתִי בְּרִכְבֵי פַרְעֹה, דִּמִּיתִיךְ רַעְיָתִי

Einem Rosse an des Pharao Prachtwagen vergleiche ich dich, meine Freundin.

Hohelied 1,9

הִנָּךְ יָפָה רַעְיָתִי, הִנָּךְ יָפָה עֵינַיִךְ יוֹנִים

Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön, deine Augen sind Tauben.

Hohelied 1,15

הִנָּךְ יָפָה רַעְיָתִי, הִנָּךְ יָפָה–עֵינַיִךְ יוֹנִים, מִבַּעַד לְצַמָּתֵךְ; שַׂעְרֵךְ כְּעֵדֶר הָעִזִּים, שֶׁגָּלְשׁוּ מֵהַר גִּלְעָד

Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön: Deine Augen sind Tauben hinter deinem Schleier. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die an den Abhängen des Gebirges Gilead lagern.

Hohelied 4,1

כֻּלָּךְ יָפָה רַעְיָתִי, וּמוּם אֵין בָּךְ

Ganz schön bist du, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.

Hohelied 4,7

אֲנִי יְשֵׁנָה, וְלִבִּי עֵר; קוֹל דּוֹדִי דוֹפֵק, פִּתְחִי-לִי אֲחֹתִי רַעְיָתִי יוֹנָתִי תַמָּתִי–שֶׁרֹּאשִׁי נִמְלָא-טָל, קְוֻצּוֹתַי רְסִיסֵי לָיְלָה

Ich schlief, aber mein Herz wachte. Horch! Mein Geliebter! Er klopft: Tue mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Vollkommene! Denn mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll Tropfen der Nacht.

Hohelied 5,2

יָפָה אַתְּ רַעְיָתִי כְּתִרְצָה, נָאוָה כִּירוּשָׁלִָם; אֲיֻמָּה, כַּנִּדְגָּלוֹת

Du bist schön, meine Freundin, wie Tirza, lieblich wie Jerusalem, furchtbar wie Kriegsscharen.

Hohelied 6,4

Die Himmelsrichtung Osten heißt inneraventurisch RAHja. Karten im alten Israel sind geostet, nicht genordet (auch bekannt aus den zwergischen Karten bei dem Herrn der Ringe).

Zweistromland

Das Zweistromland. Heute Ort blutiger Auseinandersetzungen, seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt und umkämpft. Wiege des babylonischen Imperiums und Pate vieler Ideen der drei großen monotheistischen Religionen heute.

Das alte Mesopotamien hat auch in Aventurien Einzug gehalten, jedoch hier in der zum Orient verklärten Version der Tulamidenlande. Dieser Orient-Flave kann durchaus als Relikt der Kolonialisierung aus dem 19.Jhd. angesehen werden. Historisch bezeichnet Orient im Lateinischen als oriens eigentlich nur osten, erhält im 19.Jhd. im Zuge des Kolonialismus eine umfassendere Bedeutung und meint nun auch Ali Baba und seine vierzig Räuber, 1001 Nacht, Haremsdamen, jähzornige Novadis Araber, fliegende Teppiche und generell alles, was man sich inneraventurisch unter den Tulamidenlanden vorstellen kann. Somit ist es verständlich, einen ursprünglichen RAHja-Glauben in den Tulamidenlanden der Dunklen Zeit (und davor) zu verorten. Dieser ist jedoch recht wenig ausgearbeitet (Land der Ersten Sonne 40, 96, Im Bann des Diamanten 23), was vielleicht an einem mangelnden Kentnissstand sowohl der Wissenschaft als auch insbesondere des Otto-Normal-Aventurien-Schreibers des AT und davor begründet liegt.

Natürlich gibt es auch Irdische Götter-Pendants aus dieser Zeit. Von den polytheistischen Religionen mesopotamischer Völker wurden Aspekte, Namen (El heißt im AT Gott) übernommen und es hat sich erst mit der Zeit eine monotheistische Vorstellung ausgebildet. Dieser Prozess ist bspw. an Pluralformen und unterschiedlichen Namen Gottes in versch. Regionen, die im AT genannt sind, erahnbar (s. auch die goldene Kuh).

  • Beeinflussung des jüdischen Glaubens (gern wiederholte Assimilation anderer Gottheiten)
    • später im Christentum Adaption der Gedanken an griechische Denkmuster und sprachliche Bilder z.B.:
      • Der Geist Gottes, der über den Wassern schwebt -> Geist hier als quinta essentia, die die Welt im Innersten zusammenhält – i.e. die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft, um den biblischen Gott mit der griechischen Philosophie und Welterklärung abzustimmen.
      • Die Erschaffung des Menschen als Androgynos, also als Zwitter-Wesen. Die Trennung des männlichen und des weiblichen Teils im Bild der Rippe aus der Gott die Frau formte als Beweis für die künstlerische Schaffenskraft Gottes, der aus einer einzelnen Rippe einen Menschen formen kann. Das ursprüngliche Bild war wohl eher ein janusköpfiges Wesen, vergleichbar mit siamesischen Zwillingen.
    • inwieweit dieses griechische Denken in unserer heutigen Zeit noch aktuell ist und den Nerv der Zeit trifft, oder ob eine neuerliche Aktualisierung der göttlichen Botschaft… warte, da sind wir beim Islam, der genau das meint. Die Bibel ist als heilige Schrift anerkannt, der Koran jedoch als neueste und an die Erlebniswelt der Menschen angepassteste (und letzte) Version der göttlichen Botschaft darübergestellt.

אמר רבי ירמיה בן אלעזר: בשעה שברא הקדוש ברוך הוא את אדם הראשון, אנדרוגינוס בראו, הדא הוא דכתיב: זכר ונקבה בראם.

Rabbi Jeremiah ben [Sohn des, Anm. d. Ü.] Blizer sagte: als Gott den ersten Adam [i.e. Mensch, Anm. d. Ü.] erschuf, schuf er ihn androgyn [männlichweiblich, Anm. d. Ü.], dies steht geschrieben: männlich und weiblich erschuf er sie.

Ber Rabbah §8, Fol. 21b Adams Erschaffung

  • Babylonische Gottheiten (Ištar)
    • Ištar oder hellenisiert Astarte als Göttin der Fruchtbarkeit, Liebe, Sex, Krieg von den Aspekten sehr deckungsgleich mit RAHja
    • Personifikation des Planeten Venus The Venusian symbol, a circle with a small equal-armed cross beneath it und damit direkte (astrologische) Verbindung zur römischen Liebes-Göttin

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Sex, Drugs & Rock’n’Roll

Rahja
Quelle: WA, Originalbild: Mysteria Arkana S.72

Was macht die Faszination RAHjas heute aus? Woher kommt der Ruch der Erotik, das Sehnen nach romantischer Liebe in Erregung (ohne Lust)?

  • moderne Interpretation der RAHjaischen Aspekte
    • Liebe als Geschäft
      • Prostitution
      • Utilitaristische Win-Win-Situation (OK, steuerliche Vorteile in der Ehe sind eher was für Travia)
    • Trennung: Liebe und Sex (nicht im Sinne Travia-Ehe und Rahja-Sinnlichkeit)
      • Ehe marginalisiert
      • Liebe = Sinnlichkeit und Erregung
      • Sex = Lust und im Moment verfangen (weder Vergangenheit noch Zukunft schwingen mit) -> 1-night-stands, tinder, Prostitution als normales Gewerbe anerkannt (inklusive Sozialversicherung), Verhütung lässt Risiken vergessen
  • Popkultur
    • Feminismus
      • Emanzipation der Frau aus gesellschaftlichen Strukturen der politischen und wirtschaftlichen Unterdrückung (oder Bevormundung) sowie moralischen Verklärung
      • Gegenentwürfe im Sinne einer Glorifizierung patriarchaler Strukturen (Conan: Frauen als Loot, Grey: Gewalt ist sexy, Star Wars: Es gibt keine Frauen im ganzen Universum – na gut, eine.)
    • Gender(-symbole, hierzu eigener Post) ikonographisch verwandt mit den Insignien der aventurischen Götter?
      • konkret hier: Verschiebt man den Querbalken des Symbols des Planeten Venus (s. auch oben Venus und Ištar) The Venusian symbol, a circle with a small equal-armed cross beneath itergibt schon fast (bis auf die klammernden Dreiecke) RAHjas Symbol.