In Alarichs Gnaden

In losen Abständen und abhängig von der Frequenz, in der wir spielen, verfasst Alarich Leuenhardt von Löwenhaupt zu Dogulsbruch, seines Zeichens (Turnier-)Ritter und, aus eigener Sicht, einer der letzten verbliebenen Aufrechten in Darpatien der Wildermark, der vom Reichserzmarschall (a.d.) Leomar vom Berg persönlich den Auftrag bekommen hat, einen Traviazug sicher nach Wutzenwald zu geleiten, hier sein Tagebuch.
IT-Fluff aus seiner Feder findet ihr hier.

19. TSA 1031 BF

Bei Rondra!
Auf dem Weg nach Wehrheim, meinen lieben Onkel Hagwardt zu besuchen musste ich feststellen, dass diese einst stolze Stadt nunmehr in Trümmern liegt. Doch von vorn.
Die letzten Jahre zog ich durchs Nostrische, meiner Familie, dem Ritterstand und Rondra Ehre auf Turnieren zu erweisen. Der schreckliche Orkensturm war auch dort noch in bester schlechter Erinnerung und so nahm ich auch an der einen oder anderen Strafexpedition gegen die Schwarzpelze teil, wobei mir die Art des Kampfes gegen diese götterlästerlichen Kreaturen ganz und gar nicht gefiel. Man merkt, dass sie über keine hohe Kultur verfügen, sie greifen zu ähnlich tückischen Methoden wie ein Horasier.
Geschichten von einer Invasion Tobriens vernahm ich in dieser Zeit mit anfänglichem Bestürzen, wurde jedoch schnell durch den erlesenen Zirkel an vorzüglichen Recken des Reiches von einem baldigen Sieg überzeugt.
So begab es sich, dass ich nach Jahr und Tag ins Reich zurückkehrte, auf kürzestem Wege nach Darpatien, die große Reichsstraße aussparend, die nur einen Umweg über Gareth bedeutet hätte. Schon mein erster Eindruck, in der Retrospektive gesehen, ließ nichts Gutes heißen. Nach tagelangem mühsamen Weg durch den Wald treffe ich auf die Reichsstraße, die hier schnurgerade in einer Senke verläuft. Direkt unter mir ein Trek aus drei Wagen und vielleicht zwei Dutzend Leuten, dem ersten Eindruck nach Bauern. Einzig ein einzelner Ritter reitet ihnen voran. Da brechen aus dem gegenüberliegenden Wald ungezählte wilde Gestalten. Sie schwenken Waffen, schleudern Steine und einzig ihre Farbe verrät, dass es sich hier nicht um Orken handelt. Nicht, dass mir dies gewahr, nein, bevor Orken in Darpatien gesichtet werden, fällt uns der Himmel auf den Kopf! Nicht, dass ich später nicht noch hören sollte, was ich für unmöglich hielt. Doch ich greife voraus. Diesen Räubern, die den wehrlosen Zug bedrängen, will Einhalt geboten werden. Wie ich bereits angeritten meinen Schild am rechten Arm festzurre, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie der Ritter an der Spitze des Zugs von mehreren Gestalten bedrängt wird – wohlan!, hat er sich voll ins Getümmel gestürzt, so ist es recht. Die Bauern haben sich inziwschen mit Spießen bewaffnet und hinter die Wagen gelüchtet, wo sie sich in großen Trauben drängen. Einzig drei fallen hier aus dem Bild und zeigen, dass dieser Zug doch nicht vollends wehrlos ist. Eine Bogenschützin steht auf dem mittleren der Wagen und jagt mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision Pfeil um Pfeil gegen die Angreifer. Neben ihr steht ein kleiner Mann mit einem großen blauen Kopftuch und versteckt sich hinter einem großen hölzernen Schild, und ebenfalls an der Spitze des Zugs haut ein zottiger Mann, bloß in ein Kettenhemd gekleidet, mit einer großen Axt um sich. Inzwischen sind die Angreifer heran, ich lenke mein Pferd in neuer Zuversicht um diese Menschen in einem Bogen um das Ende des Zugs die Anhöhe hinan, um dort die Reihe aus Fernkämpfern zu sprengen. Denn obschon sie eindeutig gegen das Gesetz handeln, sind sie doch nur kläglich bewaffnet und stellen keine ernstzunehmenden Gegner dar, womit sie Umsicht verdient haben. Ich mache also nur von der flachen Seite des Schwertes und dem Schild Gebrauch, was diese armen Toren schnell in die Flucht schlägt. Als die übrigen Räuber dessen Gewahr werden, setzen sie zu kopfloser Flucht an und, oh Rondra!, der Sieg ist Dein. Nicht nur, dass er leicht errungen, auch der Blutzoll an Zivilisten war gering, das Scharmützel also eigentlich wenig erwähnenswert, wenn es nicht ein Angriff auf einen, wie sich herausstellen sollte, Pilgerzug auf einer Reichsstraße in Darpatien gewesen wäre. Es sind der Ungereimtheiten zu viele, sie einfach zu übergehen. Doch, oh reiches Darpatien!, Schatz des Reiches!, wie fern liegen Dir Not und Elend, wohlbehütet vor Unbill durch das starke Weiden im Norden und nah am Herzen des Reiches mit dem strahlenden Gareth direkt vor deiner Tür. Eingedenk dieser unerschütterlichen Ordnung blieben mir so die Ursache für den wilden Blick in den Augen der darpatischen Pilger dieses Zugs, den bitteren Zug um die Züge des Gänseritters von Binsböckel und die offenkundige Abwesenheit anderer Reisender auf dieser einst stolzen Reichsstraße verborgen. Erst nach der Begegnung mit Reichserzmarschall Leomar vom Berg, der nicht nur einer statthaften Garde sondern auch seines Titels wohl verlustig gegangen ist und, als er mich in einer Ruine von einem Haus aufsuchte, auf dem Sprung zur Orkenjagd war, erst nach einem anschließenden langen Gespräch mit dem kleinen blaubetuchten Mann, der sich als Ibramosch der Zwerg aus den Tulamidenlanden herausstellte, in dem er viele Legenden von Drachen und über das Wirken der Zwerge auf Dere berichtete, auf gezieltere Nachfragen jedoch auch von echter Geschichte erzählen konnte, und ich so herausfand, dass ein untoter Drache, Scherge Borbarads, der, hier traf es wieder die Erwartung, inzwischen von mutigen Rittern erschlagen ward, vor inzwischen Jahren Darpatien verheerte, Wehrheim schleifte und überdies der Scharlachkappenträger, verräterischer und verrückter Hofmagier des Kaisers, den Himmel über Gareth zum Einsturz brachte und so die Neue Residenz zerstörte. Doch der unheiligen Botschaften nicht genug! Reichsbehüter Brin fand den Tod und weder der sehr erfahrene Answin von Rabenmund, unter Brin einst in Ungnade gefallen doch von großer Kompetenz und ansonsten gutem Ruf, noch Selindian Hal, sondern seine vielmehr seine kleine Schwester Rohaja wurde zum neuen Oberhaupt des Reiches gekrönt. Dass der Kronrat einer solchen Maßnahme zugestimmt hat und Darpatien noch immer, Tag für Tag mehr, wie wir nach Nordosten reisen, zerstört am Boden liegt, Menschen hungern, Orken und Untote durch die Lande ziehen, all dies lässt nur den einen Schluss zu, dass auf das Reich momentan nicht zu zählen ist hier, in diesen desolaten Landen. Und so ist es an den wenigen verbliebenen aufrichtigen Rittern, den Menschen hier ein hell leuchtendes Feuer der Hoffnung zu sein, ohne Fehl und Tadel, stets wider die Götterfrevler und im Einsatz auch für die einfachen Menschen, ihnen zu helfen, wiederaufzubauen, was sie verloren und göttergefällig ist, sie zu schützen, wo ihre eigenen beschränkten Mittel versagen.

20. TSA 1031 BF

Gestern haben wir einen Posten der kaiserlichen Truppen passiert. Sie haben eine Art Sondersteuer an dieser improvisierten Wegstation erhoben, offensichtlich dieser zur eigenen Versorung bedürftig, dem Zustand ihrer Ausrüstung nach zu urteilen. Weshalb sie keinen Entsatz aus den übrigen Teilen des Reiches erhalten? Ich muss mich doch über die kaiserlichen Berater wundern, dass sie offenischtlich Ihrer Majestät nicht den Ernst der Lage hier dargelegt haben.
Des Weiteren hat mich diese Begegnung darin bestärkt, einen neuen Knappen auszubilden. In diesen Landen, in denen laut dem kaiserlichen Offizier Kriegsfürsten statt ordentlicher Barone die Verwaltung des Landes besorgen, ist jedes weitere Schwert, das zu Ehren Rondras geführt wird, ein Gewinn, der zu groß nicht geschätzt werden kann.

21. TSA 1031 BF

PRAIOS NOSTER

Oberster Vater im Himmel.
Lasse Dein Licht strahlen auf uns, dass unsere Herzen rein werden,
dass Deine Jünger obsiegen
gegen die, die in der Dunkelheit wandern.

Und führe uns nicht in Versuchung, denn zahllos sind die dämonischen Scharen.

Denn Dein ist das Recht, und das Licht, in Herrlichkeit, auf Alveran.

Auf unserem heutigen Ritt passierten uns einige abgerissene Gestalten, wohl ein Dutzend. Sie wirkten derart elend, dass einem das Herz im Leib zerspringen möchte. Bruder Travinor war so auch bemüht, diesen Armen zu helfen – doch haben wir, hat jeder Einzelne von uns in diesem Zug den ebenfalls bedürftigen und umso zahlreicheren Einwohnern von Butzbach gegenüber eine Verpflichtung, die wir nicht vergessen dürfen. Und so schwer es auch sein mag, diesen hungernden Menschen nicht mehr als ein Gnadenbrot geben zu können, so müssen wir an unsere größere Aufgabe denken. Dabei können wir auf die Milde anderer Reisender vertrauen, die diesen hier weiter helfen können als wir es vermögen.
Wenig später passierten wir Berler. Vor der Stadt hingen sieben Diebe, den an einem separaten Schild angeschlagenen Händen nach zu urteilen, den Gesetzlosen zur Mahn. Doch, bei PRAios!, die Gerichtsbarkeit ging zweifelhafterweise von der Dorfschulzin aus. Dabei wirkte die Stadt gut bewacht von gerüsteten, wenn auch nicht ausgewiesenen Knechten. Die Anmaßung dieser bürgerlichen Person und der Ihren muss jedoch für den Moment ungesühnt bleiben. Die erste und oberste Priorität besitzt dieser göttergeweihte Zug, den zu gefährden noch zu verzögern um jeden Preis vermieden werden muss. Doch, so mir PRAios helfe, um diese scheinbar allgegenwärtige Impertinenz wird sich zu einem späteren Zeitpunkt gekümmert werden.

24. TSA 1031BF

Unsere Gruppe hat inzwischen das Ziel des Travia-Zuges, Wutzenwald, erreicht. Überdies zeichnet sich terminlich eine stärkere Regelmäßigkeit ab (wöchentlich!), sodass mit ebenso regelmäßigen Updates gerechnet werden darf (ermangelt es doch an einem Protokoll anderer Coleur).

Nachdem wir Berler hinter uns gelassen haben, kamen wir recht ereignislos zum Ziel unseres Zuges: Butzbach [Anm. d. Übersetzers: gemeint ist Wutzenwald]. Dies liegt in einer größeren Lichtung  um einen Hügel herum gruppiert, den ein Wehrtempel der Herrin Rondra krönt. Entsprechend residiert der hiesige Baron Aldoron von Wutzenwald auch nicht hier, sondern in seiner Residenz etwa zwei Tagesreisen von hier mitten im Wald. Dass er die Verwaltung größtenteils dem Pfleger des Landes, Pater Balduin von Weißenau der Peraine, der dem zweiten Tempel dieser Stadt vorsteht, überlässt, scheint auf allgemeine Akzeptanz zu stoßen, wie mir Vater Hardwulf von Wutzenwald unserer Herrin Rondra, seines Zeichens ein rüstiger Kämpe der göttlichen Leuin, der, obschon eines Armes verlustig und nun ebenfalls mit der Linken fechtend, sich im Zweikampf zu behaupten weiß, versicherte, als wir gegen Mittag unter dem Jubel der hiesigen Bevölkerung in die Stadt einzogen.

Wie ich diese Zeilen niederlege, entsinne ich mich eines Traumes vorvergangene Nacht. In diesem ritt ich an der Spitze eines bunten Haufens aufrechter Streiter unter PRAios‘ Licht einer dunklen und schier endlosen Menge an Feinden entgegen, während das blutige Schwert in meiner Hand, noch benetzt von erst kürzlichem Kampfe, mir Stärke und Zuversicht verströmte. Ob dies ein Zeichen der Unbesiegten in Alveran ist? Ich werde mich diesbezüglich morgen an Vater Hardwulf wenden.

Auf den letzten Tagen unserer Reise haben sich vermehrt einige der guten Darpater zu meinen allmorgendlichen Exerzitien gesellt, und gestern wusste ich sie durch einen einfachen Galopp mit gesenkter Lanze zu entzücken. Wahrlich, wenn es um dieses Land doch schlecht bestellt scheint, so sehe ich Hoffnung, wenn alle Untertanen so tüchtig sind wie diese.

26. TSA 1031BF

Im letzten Licht des Tages lege ich diese Zeilen nieder, während das Auge des PRAios langsam hinter den fernen wipfelumkrönten Hügeln versinkt. Gestern noch hat Pater Balduin uns persönlich für das sichere Geleit des Zuges gedankt, woraufhin Herr von Binsböckel, die beiden Fährtensucherinnen, der Angroscho und ich Bruder Travinor auf seinem nun weniger beschwerlichen Rückweg zu begleiten begonnen. Jedoch fand diese in leichtem Sinn begonnene Reise eine jähe Unterbrechung als wir auf halbem Weg zur sicheren Reichsstraße einen Bauernhof passierten, an dem wir zuvor genächtigt hatten. Die sehr TRAviagefälligen Bewohner hießen uns nun nicht willkommen. Im Gegenteil fanden wir den Hof verheert, das Vieh, den Oheim erschlagen, die Jungen entführt. PERaine gib, dass die alte Bäuerin nicht ihren Wunden erliegen möge und Bruder Travinor sie sicher nach Butzbach bringe. Ob sie in ihrem einfachen Gemüt die Schrecken, die ihr widerfahren sind, wird überwinden können, wird sich zeigen. Möge TRAvia dieser schlichten, gottestreuen Seele gnädig sein.
Im Angesicht dieser kleinen Widrigkeit hat eine der Späherinnen die Flucht ergriffen. Mögen RONdra und PRAios ihr diese Feigheit entsprechend entlohnen. So habe ich mich in Begleitung der zweiten Späherin, die bislang einen vertrauenswürdigeren Eindruck auf mich gemacht hat [Anm. d. Übersetzers: Es findet sich an dieser Stelle folgende Randnotiz: „Elfe?“], und des Angroschos, der neben seiner Armbrust wohl auch mit Magie umzugehen versteht – Möge PRAios geben, dass sie diesem nicht so sehr den Kopf verdreht, wie menschlichen Magiern! Doch hat auch er bisher einen räsonablen Eindruck hinterlassen – an die Verfolgung der Schurken gemacht, die diesen Hof überfallen und mehrere Personen geraubt haben. Angeblich steht ihnen ein Magier vor, der sie in einem dunklen Ritual falschen Götzen zu opfern gedenkt, was es zu einem doppelten Gebot erhöht, diesen Strauchdieben ihr schändliches Handwerk zu legen.

Soeben kömmt die Fährtensucherin zurück – bei FIRun, hoffentlich hat sie die Spur wiedergefunden, diese Jagd verspricht, interessant zu werden.

27. TSA

Auf der Suche nach den Vogelfreien, die den Hof gebranntschatzt und die Bauernjungens entführt haben, verdichten sich die Hinweise aus der lokalen Bevölkerung dahingehend, dass die Missetäter für den Schwarzmagier und Dämonenbeschwörer Necorius, selbsternannter Herrscher in Zweimühlen seit etwa zwei Monden, ihr Unwesen treiben. Obschon die Wehranlagen der Stadt sich in desolatem Zustand befinden und der Burgfried im Stile eines horasischen Lust-Schlosses gehalten ist, brauchte es mehr als nur einen Ritter, diese Stadt im Sturme zu nehmen, bei RONdra. Daher haben wir uns für ein planvolleres Vorgehen entschieden, bei PHEx, diesem Götterfrevler sein schändliches Handwerk zu legen und ihn der göttlichen Gerichtsbarkeit zuzuführen.
Der hiesige Voigt Zordan scheint, ebenso wie gute Teile der alten Garde und etliche der stationierten Söldlinge, mit der unrechtmäßigen Herrschaft und den frevlerischen Machenschaften des Magus zutiefst unzufrieden. Sollte ein Geflügeltenstück am heutigen Abend nicht gelingen, werden wir dort Hilfe suchen, und das Unheil direkt an der Wurzel packen. So dürfen wir nicht bloß die entführten Bauern, sondern auch die Bürger dieser Stadt von Unbill und aus Not zu erretten hoffen.

Mögen die Herrin RONdra und der Herr PHEx wohlgesonnen auf uns herabblicken.

27. TSA / 28. TSA

PRAios, Dir sei Dank für Dein Licht, das uns geschienen in dunkelster Stunde, da wir uns gegenübersahen dem Götterfrevler Nekorius, umringt von seinen untoten Schergen und im Begriffe, die beiden Bauern in einem dunklen Ritual unheiligen Götzen zu opfern. RONdra, Dir zu Ehr erschlugen wir das lästerliche Gezücht ohne Zagen, ohne Zaudern. Möge BORon in seiner tiefen Weisheit die Seele des Magus richten, so wie wir seinen Körper dem reinigenden Feuer übergeben werden.

Nach dem Kampfe stellte ich mit glücklichem Erstaunen fest, dass die beiden Bauern, derentwegen wir hierhergekommen, die Schwelle zu BORons Reich noch nicht überschritten und die übrigen Gefangenen, obschon ausgemergelt, so doch ein gutes Bild der zähen, tapferen Darpat’schen Landbevölkerung abzugeben scheinen. Wenig verwunderlich, waren die Bediensteten durch den Kampfeslärm geweckt worden und halfen uns, als sie der frohen Kunde gewahr wurden, sogleich bei der Versorgung der ehemals Eingekerkerten.
Zu unser aller Verwunderung wusste eine Magd von einem großen Menschenauflauf auf dem Schlossplatze zu berichten, trotz der späten Stunde. Gerüchte scheinen sich schnell zu verbreiten in dieser Stadt. Ohne zu zögern schulterte ich den leblosen Korpus des dunklen Magus, ihn den Bewohnern dieser Stadt zu zeigen und Zeugnis davon abzulegen, dass mit dem Fall dieses selbsternannten Moguls auch seine frevlerische Herrschaft über diese Stadt und die Umgegend ein Ende gefunden hat. Bevor ich jedoch zu einer passenden Ansprache kommen konnte, empfing uns Voigt Zordan, indem er uns den Schlüssel der Stadt als Insignie der Herrschaft überreichte.

Dieser Verantwortung nachzukommen, sehe ich, ob meines Standes und der bedrückenden Umstände in diesen Landen, außer Frage stehend. Erste Pläne reifen bereits in meinem Kopfe, während der Umfang dieser Aufgabe sich nur langsam erschließt. Allein wird diese Aufgabe nicht zu bewältigen sein, und so hoffe ich auf den Beistand meiner bisherigen Weggefährten. Obschon sie wohl kaum für die schwierige Aufgabe des Herrschens bereit sind, kann ihre Expertise in ihren jeweiligen Professionen von unschätzbarem Wert sein für die erfolgreiche Verwaltung der schwierigen Aufgaben, die vor uns liegen. Auch bin ich mir inzwischen sicher, dass ich ihnen vertrauen kann, was in diesem bisweilen götterverlassenen Landstrich keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein scheint.

Doch die Bürger harren einer aufbauenden Ansprache, und so hebe ich an, Repräsentant der zwöfgöttlichen Ordnung und der kaiserlichen und ständischen Herrschaft in diesem von Not und Elend hart geprüften Landstrich:

Bürger von Zweimühlen!

Ich bin Alarich Leuenhardt von Löwenhaupt zu Dogulsbruch und habe euch frohe Kunde zu berichten.

Mogul Nekorius ist tot! PRAios Licht hat ihn gerichtet und BORon wird über seine Seele wachen. Seine untoten Schergen liegen erschlagen und zu Staub zerfallen hinter diesen Mauern, seine Macht über diesen Ort ist gebrochen. Mit der Götter Hilfe haben wir Zweimühlen, haben wir euch von seiner frevlerischen Knechtschaft befreit.
Ich weiß, es gibt viel zu tun. Vieles liegt im Argen, Menschen leiden Not und Hunger. Viel zu lange schon haben Recht und Ordnung diese eure Heimat gemieden.
Wir stehen hier als Licht der Hoffnung. Und mit PRAios Hilfe werde ich mein Möglichstes tun, in Zweimühlen und den umliegenden Dörfern die zwölfgöttliche Ordnung wiederherzustellen und aller Unbill zu trotzen.
Zweimühlen gehört zu Darpatien und Darpatien gehört zum Kaiserreich. Entschieden und nötigenfalls mit dem Schwert werde ich mich jedem entgegenstellen, der dies anzuzweifeln wagt
Doch wer für die Götter ist, für den Frieden und für die gerechte Sache, der schließe sich uns an. Gemeinsam werden wir eure Heimat erneut befrieden, und alle hungrigen Mäuler schließen. Wir werden die Tempel wiederaufbauen und auch die Brücke, auf dass sich wieder Händler in diese Stadt wagen.
Drum verbreitet die Kunde in alle Umgegend, dass Zweimühlen wieder unter zwöfgöttlicher Herrschaft steht, dass Zweimühlen wieder dem Kaiserreich gehört. Und da dies ein großer Tag ist, werden wir in zwei Wochen Zeit vom heutigen Tage an ein großes Fest begehen genau hier, auf diesem Platze. Bis dahin sei der Körper dieses schwarzen Magus allen zur Mahnung aufgebahrt und hergerichtet, wie die Tradition es gebietet. Zum Festauftakt jedoch wird es ein großes Freudenfeuer geben, in dem wir seinen Körper den reinigenden Flammen übergeben werden, auf dass allen bezeugt werde, dass seine schändliche Herrschaft über diesen Ort ein für alle Mal ein Ende gefunden hat.

Und nun lasst uns beten und danken den Göttern! Ist ein Geweihter unter euch, möge er hervortreten und das Gebet anführen. Alle anderen, neiget eure Knie und euer Haupt vor den Überderischen und stimmt ein in dies Dankgebet!

28. TSA

Auszugsweise seien im Folgenden Briefe gegeben, die, noch in der Nacht verfasst, bereits am nächsten Tage auf den Weg gegeben.

An Bruder Travinor und Bruder Pyklaion

Gepriesen seien TRAvia und die Gütige Herrin!

Frohe Kunde überbringe ich euch! Wir konnten die beiden Bauernjungen wohlbehalten aus den Klauen ihrer Häscher befreien. Die Mordbrenner, die sich ihrer ermächtigt und nicht bloß einen Hof niedergebrannt haben, standen im Auftrag eines schwarzen Magus in Zweimühlen. Mit der Götter Hilfe konnten wir diesen schnell überwinden und dem Urteil des Herren BORon übergeben, dessen Anger er schänden ließ.

Nun steht es zwar besser um die gebeutelten Einwohner Zweimühlens, doch bedürfen sie des Zuspruchs durch Vertreter der Zwölfe umso dringender. Die hiesigen Tempel liegen verlassen oder geschleift und geschändet, die hiesige Schwester der Herrin TRAvia  vermag es nicht allein, den Menschen ihren Mut und ihre Hoffnung zurückzugeben.

Im Namen der TRAvia erflehe ich klerikalen Beistand, auf dass in diese Stadt bald der Segen der Gütigen Mutter wieder einkehren möge!

In zwei Wochen von heut an, am 14. PHEx, soll in feierlichem Akt der Befreiung Zweimühlens von dem götterlästerlichen Joch gedacht und der Korpus des Magus dem göttlichen Urteil übergeben werden. An alle Geweihten der Zwölfe ergehe hiermit eine Einladung, als Ehrengäste an dieser Feierlichkeit teilzunehmen, und, so dies ihrem Wunsch entspricht, in dieser Stadt zu verweilen und ihr gutes Wort in der Menschen begieriges Ohr zu geben.

Hochachtungsvoll,

A.L.v.L.z.D., Baron zu Zweimühlen

An alle Gläubigen der Zwölfe*

Anmerkung: Mache dies in der Umgegend in allen Dörfern und Weilern bekannt. Trage die Hoffnung, die du spürst, offen zur Schau.

Zweimühlen ist befreit!

Der selbsternannte Mogul Nekorius ist gerichtet, und sein Korpus wird am zweiten PRAiostag des nächsten Mondes (PHEx) dem reinigenden Feuer übergeben werden. Zu diesem feierlichen Anlass lädt der neue Herr von Zweimühlen, Alarich Leuenhardt von Löwenhaupt zu Dogulsbruch, Edler von Zweimühlen, zum Fest. Alle, die die Zwölfe in Ehren halten, seien hiermit eingeladen.

Überdies mögen aufrechte Streiter im Namen Darpatiens sich beim Überbringer dieser Nachricht melden.

Anmerkung: Sammle eine Liste der Namen der Interessierten, ihres Handwerks und Ortes, oder, bei außerordentlicher Tauglichkeit, verweise sie direkt an den Herrschaftssitz in Zweimühlen.

Gepriesen seien die Göttliche Leuin und die Gütige Mutter, für Darpatien!

28. TSA

In diesen schweren Zeiten braucht das Land eine bewährte Herrschaft. Einer klare Linie für die Gerechtigkeit, mit Mut und Maß vollstreckt, mag im Folgenden Kodifizierung erfahren.

Proklamation über den häuslichen Besitz

Hiermit ergeht das erste Dekret über die Gesetzgebung Zweimühlens unter erneuerter kaiserlicher Jurisdiktion und Zwölfgöttlichen Herrschaft. Rechtsverbindliche Abschriften liegen dem interessierten Bürger der Stadt zur Einsicht im Magistrat aus.

Ab dem heutigen Tage und mit unverzüglicher Wirksamkeit gelte jedes unbewohnte Haus innerhalb der Grenzen der Mauern der Stadt als direktes Eigentum der Krone. Wer beim Betreten oder der unrechtmäßigen Inbesitznahme durch häuslichen Bezug tätlich ergriffen wird, werde im Zwinger eingekerkert, bis ein ordentliches Gericht über ihn urteile.

Verbrieftes Eigentum verbleibt ebenso wie aktuell mindestens einen Mond, also den gesamten Mond TSA, bewohntes im Besitz des Eigentümers, resp. Bewohners. Nicht verbriefte Bewohner haben ihre Ansprüche unter Zeugen im Magistrat innerhalb des nächsten Mondes vorzubringen, auf dass ihnen ein vorläufiger Besitz verbrieft werde. Unverbriefter häuslicher Raum gilt ab dem Mond RAHja als direkt der Krone gehörig.

In Streitfällen entscheidet das Gericht.

Proklamation über die Gerichtsbarkeit und die Bürgerschaft

Hiermit ergeht das zweite Dekret über die Gesetzgebung Zweimühlens unter erneuerter kaiserlicher Jurisdiktion und Zwölfgöttlichen Herrschaft. Rechtsverbindliche Abschriften liegen dem interessierten Bürger der Stadt zur Einsicht im Magistrat aus.

Ab dem heutigen Tage und mit unverzüglicher Wirksamkeit gelte als rechtsscheidende Instanz und ordentliches Gericht, vor das jeder Bürger dieser Stadt geladen werden darf, der Richterspruch des Barons oder eines von ihm unter Zeugen berufenen Vertreters. Jeder Angeklagte hat das Recht, sich selbst vor dem Gericht zu verteidigen oder unter Zeugen einen Vertreter zu benennen, der für ihn sprechen möge. So der Angeklagte nicht zum ordentlichen Gerichtstermin erscheint, verwirkt er sein Recht auf Anhörung und ergibt sich dem Urteil des Richters. Einen Angeklagten daran zu hindern, zum Gerichtstermin zu erscheinen, ist ein schweres Verbrechen, das je nach schwere der Tat mit Züchtigung, Strafarbeiten, Kerkerhaft oder Hinrichtung geahndet wird. Als Zeugen möge jeder verbriefte Bürger dieser Stadt, Angehörige des kaiserlichen Adelsstandes, Geweihte des Herrn Angrosch sowie der Zwölfgötter oder, nach Maßgabe des Richters, Adeliger Vertreter anderer Reiche gelten. Dieses Dekret erweitert die im Lex Regnum kodifizierten Gesetze.

Es sei fürderhin als ordentlicher Gerichtstag der erste Praiostag eines jeden Mondes gesetzt.

Es gelte des Weiteren als Bürger dieser Stadt jeder, der eine entsprechende Verbriefung aus der Regentschaft der Landgräfin Ragna vorweisen kann und bis zum 01. PRAios dem Magistrat vorlegt. Über die Anerkennung später ausgestellter Urkunden entscheidet der Magistrat. Anspruch auf eine volle Bürgerschaft habe jeder mit einer Verbriefung nach der Regentschaft der Landgräfin, sowie ein jeder, der nachweislich zu den Freien unter der Regentschaft der Landgräfin gehörte.

Allen übrigen Einwohnern Zweimühlens zum heutigen Tage, nachweislich durch einen Wohnsitz innerhalb der Mauern dieser Stadt, sei eine vorläufige Bürgerschaft ausgesprochen. Diese ist begrenzt bis zum neuen Jahr, 1032 Bf. Sie garantiert dem vorläufigen Bürger Zugang zu seinem Haus in der Stadt und den Schutz durch die Mauern und die wehrhafte Besatzung dieser Stadt, für die die Krone Sorge trägt. Der vorläufige Bürger ist überdies zu den selben Zahlungen verpflichtet, die ein ordentlicher Bürger dieser Stadt zu entrichten hat.

Jedem, der nicht Bürger dieser Stadt ist, oder unter dem Asyl der Kirche der PERaine, dem kaiserlichen Adelsstand angehört oder unter Sonderermächtigung durch die Krone steht, was beispielsweise für höfische Bedienstete und Ehrengäste gelte, stehe es frei, der Stadt jederzeit verwiesen zu werden.

28. TSA (spät abends)

Welch langer Tag! Gestern um diese Zeit standen wir Aug in Aug mit unheiligem Gezücht, und des Dunklen Magus heißes Blut quoll noch frisch aus seinen Wunden. Das PHExenstück ist geglückt! Meine Gefährten hatten keinen geringen Anteil an der Überwindung dieses Frevlers, gerade von dem unerschrockenen Einsatz des Zwerges. Versteht er sich wohl auf feineres und magisches Handwerk, welches ihm besser zu bekommen scheint als menschlichen Magi, die alle mehr oder minder verrückt sind, langte er gestern Nacht doch sehr beherzt mit seinem Beile zu. Von unschätzbarem Wert hat sich seine Stirnlampe erwiesen, die mit ihrem blutroten Lichte uns mit der Götter Hilfe einen schnellen Sieg bescherte.
Einzig ein Detail bleibt – im letzten Momentum des Kampfes, ich befand mich in engem Schlagabtausch mit einem scheinbar magisch belebten Skelette, da erging mit meinem letzten Streich, zugleich mit dem Todesschrei des Frevlers hinter mir, ein blauer Funkenschlag, der zuvor in den Höhlungen des skelettenen Schädels ruhte, daraus und fuhr direkt in mich ein. Obschon ich seitdem keine unheilige Veränderung feststellen konnte, und der magiekundige Zwerg versicherte mir, dass Eisen Magie bindet, so werde ich doch zukünftig aufmerksam sein, dass sich kein böser Geist meiner oder, RONdra bewahre, meines Schwertes bemächtigt habe.

Den vergangenen Tag verbrachten wir mit vielfältigen Besorgungen um das Verhältnis zu den Oberen dieser Stadt. Mangelt es zwar gänzlich an Vertretern des Adels, so wäre wohl von ihnen auch nicht viel zu halten, hätten sie ihre Ehre doch mit Untätigkeit besudelt, und an sehr selbstbewussten Bürgern dieser Stadt mangelt es wahrlich nicht. Ziemt es ihnen auch standesgemäß nicht, ist dies wohl notwendiges Übel der Stadt, die sich stets nur dann ihres Lehnsherren besinnt, wenn ihre Mauern bestürmt und die Not groß ist.

Zum Grauen des dritten Tages von heute, am Windstag, werde ich über den selbsternannten Mogul Nekorius Gericht sprechen. In diesem Zuge werden wir unsere Herrschaft und mich als Baron zu Zweimühlen öffentlich proklamieren, zudem mehrere Dekrete erlassen, die den einfachen Bewohnern dieser Stadt einen für sie verständlichen Rahmen bieten mögen, die Rückkehr zu alter Ordnung zu erfassen und tätlich umzusetzen.

In diesen schweren Zeiten, in denen viele von Zweifeln an den Zwölfen geplagt sind und unter ungerechter Herrschaft darben, in denen scheinbar ein jeder uneingedenk seines Standes und der verbrieften Rechte und Titel seine Herrschaft willkürlich proklamieren kann, in denen das Kaiserreich zutiefst angeschlagen, das Königreich Darpatien vom Kronkonvent per kaiserlichem Dekret aufgelöst, die kaiserliche Herrschaft selbst angefochten, und der kaiserliche Marschall ohne Erfolg, seine Truppen mehr Wegelagerern und Strolchdieben gleichend, in diesen Landen umherziehen, in diesen Zeiten braucht es einen klaren Verstand, festen Entschluss und Mut im Herzen.

Möge RONdra uns beistehen.

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